Pflanze einen Baum und rette die Welt!, solche Sätze sind gerade in Mode. Manchmal sind es auch zwei oder gar drei Bäume, meistens dann, wenn jemand damit einen Flug kompensieren will. So einfach also scheint es, die Klimakrise aufzuhalten und den Planeten zu retten. Ja, es ist erfreulich, dass Bäume so ein gutes Image haben, das kann helfen, auch da Bäume zu akzeptieren, wo sie bisher nur als Quellen von Dreck (Laub, Blüten) gesehen wurden. Und es hilft auch, neue Lebensräume für viele Arten in Städten zu schaffen.

Aber das erspart uns nicht, das Versprechen, das Klima könnte mit Bäumen gerettet werden, genauer zu betrachten. Ernüchternd ist eine erste Schätzung: Um eine Tonne CO2 zu binden, muss eine Buche in unserer Klimazone 80 Jahre lang wachsen. Es nützt auch nichts, gleich 80 Buchen pflanzen, um jährlich eine Tonne Kohlendioxid zu kompensieren, denn bei den kleinen Bäumchen geht es mit der Speicherung von Biomasse nicht wirklich schnell. Aber trotzdem könnten Sie – falls Sie einen Garten besitzen – diesen einmal genauer betrachten und Ihrer Fantasie freien Lauf lassen bei der Überlegung, eine Tonne CO2 zu speichern. Und ja, der Durchschnittsdeutsche emittiert etwa 9 Tonnen CO2 pro Jahr.

Nun scheint Rettung in greifbarer Nähe: Die weltweite Aufforstung von Wäldern wäre auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar möglich und könnte so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufnehmen. Dies wäre ein wirksames Mittel, um Kohlenstoff in der Atmosphäre zu reduzieren., so die Studie der ETH Zürich aus dem Jahr 2019. Tatsächlich hat der mediale Hype, der dadurch ausgelöst wurde, zunächst große Hoffnungen geweckt. The Guardian schreibt gar vom mind-blowing potential. Wer träumt nicht von einem Klimaschutz, der uns nichts abverlangt? Erst beim genaueren Hinsehen erkennen wir, welch trügerische Hoffnungen diese Nachricht erweckt. Diese Meldung ist einerseits völlig missverständlich, denn es ist keinesfalls so, dass zwei Drittel des bisher vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes, also die Folgen von mehr als zwei Jahrhunderten industrieller Entwicklung, ausgeglichen werden können!

Sie ist andererseits schlichtweg falsch, aus vielen Gründen: Nun gut, die fragliche Fläche von 900.000.000 ha entspricht knapp der Fläche der USA, das wäre vielleicht nicht das allergrößte Problem. Die Autoren meinen, auch landwirtschaftlich genutzte Flächen könnten umgewidmet und mit Bäumen bepflanzt werden. Ja, das wäre wohl möglich aber nur dann umsetzbar, wenn wir uns von unserer fleisch- und milchlastigen Ernährung verabschieden könnten. Darüber hinaus sehen die Autoren der Studie aber Bäume auch da wachsen, wo bisher keine oder wenig stehen: in den Savannen Afrikas, in der Pampa Südamerikas, in der Prärie, in den Steppen Russlands. Kritiker der Studie wundern sich, dass nun da Bäume wachsen sollen, wo bisher kein Wald wuchs, wohl nicht ohne Grund: vielleicht war es zu trocken, vielleicht zu kalt. Ins Gewicht fällt besonders die Tatsache, dass die Böden all dieser eingeplanten Regionen schon jetzt große Mengen an CO2 speichern, fast so viel als wenn sie mit Bäumen bepflanzt wären. Der Zugewinn wäre also gar nicht so hoch. Überhaupt ist der erste Eindruck falsch, die angegebene Speicherkapazität sei allein dem Zuwachs an Holz zuzurechnen: In der Rechnung ist auch die CO2-Speicherung im Boden enthalten, der je nach Bewuchs fast so viel CO2 speichert wie Wald. Eine Überprüfung der ETH-Studie durch eine Gruppe von Wissenschaftlern der TU München und dem Institute of Meteorology and Climate Research in Karlsruhe (Andreas Krause, Almut Arneth, Anita Bayer, Allan Buras, Thomas Knoke, Christian Zang, Anja Rammig) kommt deshalb zum Schluss, dass von den ursprünglich berechneten 205 GtC in Wahrheit nur 81 GtC übrig bleiben. Die Grafik zeigt sehr gut, dass der

in der ETH-Studie errechnete Zuwachs abhängig von der vorhandenen Vegetation deutlich geringer ist.

Diese 81 GtC, die etwa 300 Gt CO2 entsprechen (Der Umrechnungsfaktor von Kohlenstoff zu Kohlendioxid, von C zu CO2 ist 3,7), könnten die aktuell weltweiten Emissionen nur sieben Jahre kompensieren – also auf keinen Fall unsere Vergangenheit ungeschehen machen. (Vgl. auch CO2-Budget) Im Moment blasen wir weltweit jährlich mehr als 40 Mrd. Tonnen CO2 in die Luft und da lässt sich leicht errechnen, dass den 300 Gt CO2 ziemlich genau 300:40 Jahre = 7,5 Jahre entsprechen. Da im Moment die Emissionen noch zunehmen, sind das sicher nicht mehr als 7 Jahre unserer CO2-Emission, die wir mit dieser Waldfläche kompensieren könnten.

Wenn wir schon die CO2-Vergangenheit nicht so einfach ungeschehen machen können, wie viele Bäume müssten wir denn pflanzen, oder besser, gepflanzt haben, um unseren CO2 – Ausstoß zu kompensieren? Eine Antwort ist insofern schwierig, weil auch Wiesen oder Äcker in der Form von Humus CO2 speichern, wie schon erwähnt vielfach nicht weniger als ein Waldboden. Deshalb will ich an dieser Stelle nur ein paar Fakten nennen, die erahnen lassen, dass wir mit dem Pflanzen vom Bäumen zwar zum Klimaschutz beitragen können, das Problem aber nicht lösen.

Für Deutschland etwa gilt: In unseren Wäldern können wir pro Hektar jährlich etwa 12 Tonnen CO2 speichern. Der Wald in Deutschland entzieht der Atmosphäre jährlich etwa 62 Millionen Tonnen CO2 – das entspricht sieben Prozent der gesamten deutschen Treibhausgas-Emissionen. Da Deutschland zu etwa ein Drittel mit Wald bedeckt ist, können wir uns ungefähr vorstellen, wie viele Bäume wir pflanzen müssten, um unsere augenblickliche CO2-Jahresbilanz von 800 Mill Tonnen CO2 auszugleichen: Wir bräuchten noch viel zusätzliche Fläche! Was wir dann mit dem Holz machen würden, um den Kohlenstoff für alle Zeiten zu speichern, das ist noch einmal eine andere Frage.

Und weltweit? Das Weltwirtschaftsforum 2020 in Davos hat die Initiative One Trillion trees gestartet, eine Initiative, die praktisch von allen Teilnehmern, ja selbst von Donald Trump unterstützt wurde. Eine englische Trillion ist eine deutsche Billion, das bedeutet, dass 1.000.000.000.000 Bäume gepflanzt werden sollen. Bei einer Annahme von 2000 Bäumen pro Hektor würde das eine Fläche 500 Mill. Hektar ergeben. Zur Erinnerung: Die USA haben eine Fläche von 900 Millionen Hektar. Die Bereitstellung der geeigneten Fläche ist also nicht problemlos. Und wie hilfreich wäre diese Initiative bei einem momentanen CO2-Ausstoß von 40 Gt CO2/Jahr? Die Antwort hängt davon ab, in welcher Klimazone und welche Bäume wachsen sollen. Wenn wir aber wie oben 12 Tonnen pro Hektar annehmen, dann sind das 500.000.000 x 12Tonnen = 6 Gt CO2/Jahr. Das wäre ein Bruchteil der 40 Gt CO2, die wir jährlich emittieren.

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Aber damit wäre das aktuell größte Problem nicht beseitigt: Wir verlieren durch die Rodung der Regenwälder und durch die Waldbrände weltweit, von Sibirien über Afrika, Australien, Kanada usw. unvorstellbar viel Waldfläche. Die Organisation Rettet den Regenwald e. V. gibt einen jährlichen Verlust von 30 Millionen Hektar alleine für die Regenwälder an. Angesichts solcher Zahlen ist die Kampagne aus Davos nichts anderes als ein medienwirksamer Gag, um die Ursachen der Klimakrise zu verschleiern.

Franz Zang
Author

Der Autor Franz Zang war 40 Jahre Lehrer für Mathematik, Sport und Ethik an einem Gymnasium. Er ist seit vielen Jahren im Naturschutz engagiert und seit 2012 Vorsitzender des BUND Naturschutz der Kreisgruppe Bad Kissingen im Biosphärenreservat Rhön. Er ist Beirat des BUND Naturschutz in Bayern e. V. und Bundesdelegierter.