Die Konsequenzen zeichnen sich immer klarer ab!

Sind wir auf einem guten Weg aus der Klimakrise? Immerhin dürften nach drei trocken-heißen Sommern wohl die letzten Zweifel am Klimawandel verschwunden sein. Und wie stark wird sich die Erde aufheizen? Sind die so oft beschworenen Klimaziele des Pariser Klimaschutzabkommens machbar oder schon längst durch die Faktenlage überholt? Dazu überprüfe ich den neuesten wissenschaftlichen Sachstand zum Thema Klimawandel. Was also ist Sache?
Die erste Grafik zeigt die verschiedenen Klimaszenarien (RCP = Representativ Concentration Pathway), die uns vorliegen. Wer genauer hinschaut, kann etwas nicht übersehen: Wir sind auf dem Weg des schlechtesten Szenarios RCP8.5. Die schwarzen Punkte in der Grafik geben nämlich die aktuellen Emissionen an, und es ist nicht zu übersehen, dass sie sich erstaunlich, oder besser gesagt, erschreckend stark an die Kurve von RCP8.5 anschmiegen.

Und was heißt das? Es ist leicht zu erkennen, dass die Kurve für RCP8.5 im Vergleich zu den anderen RCPs steil nach oben geht, genauer: RCP8.5 sagt einen Anstieg der globalen Mitteltemperatur um bis zu 4,8 Grad bis ins Jahr 2100 voraus!
4,8 Grad? Schon die aktuelle Temperaturerhöhung um 1,25 Grad im Jahr 2020 (vgl. https://www.sciencemag.org/news/2021/01/global-temperatures-2020-tied-record-highs?utm_campaign=news_daily_2021-01-14&et_rid=562839249&et_cid=3630740)
gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter hatte in diesem Jahr verheerende Folgen. Die Zahl 1,25 beschreibt die durchschnittliche Erderwärmung. Wer jedoch wie ich in Unterfranken lebt, der fragt sich, warum wir schon eine Erwärmung von deutlich mehr als 2 Grad haben. Nun, über Land stiegen die Temperaturen weltweit um 1,96 Grad über das vorindustrielle Niveau. Bis jetzt puffern die Meere die Erderhitzung noch ab. Und so kommt es, dass der Anstieg der Temperaturen auch nicht gleichmäßig über den Globus verläuft. So hat sich z. B. im östlichen Pazifik und im südlichen Ozean kaum etwas geändert. Das liegt daran, dass dort die Meere sehr tief sind und kaltes Tiefenwasser die Hitze aufnimmt. Noch, muss man sagen, denn langfristig heizen sich auch diese riesigen Wassermassen auf. Die Erhitzung der Meere, von einer Flotte von Robotersonden bis in 2000 Meter Tiefe überwacht, breitet sich aus und wandert in Richtung Pole. Dieses warme atlantische Wasser dringt nun in den arktischen Ozean ein, dadurch schmilzt das Eis von unten. Das Rekordtief des arktischen Meereises im Jahr 2020 war eine der Folgen. Das folgende Bild zeigt diese unterschiedlich betroffenen Zonen aus der Perspektive der Daten, die RCP8.5 zugrunde liegen.

Diese Projektion für das Jahr 2090 scheint in weiter Ferne zu liegen. Aber im Sommer 2020 war die Durchschnittstemperatur in Sibirien um 7 Grad höher als normal, die Waldbrände eine logische Folge. Und wer will, kann in diesem Bild auch einen für uns Europäer wichtigen Kipppunkt erkennen: Die Schwächung des Golfstroms führt dazu, dass es im Nordatlantik nur wenig wärmer wird.

Die Modellierung der Klimaveränderungen wird immer genauer, da die vielen Variablen wie etwa die Wolkenbildung oder die Folgen der Rodung der Regenwälder besser verstanden werden. Und so können wir aktuell auf ein Szenario aus dem Jahr 2020 zugreifen. Hier wird unter der Vorgabe eines CO2-Anstiegs auf 560 ppm (eine Verdoppelung gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter) eine genauere Eingrenzung der Temperaturerhöhungen möglich. Zur Erläuterung: Bis jetzt haben wir den CO2-Gehalt von 280 ppm auf etwa 417 ppm getrieben und es droht eine Verdoppelung bis zum Jahr 2060. Unter dieser Vorgabe können wir nach dem neuesten Stand eine Temperaturerhöhung von maximal 3,9 Grad erwarten.

Quelle: https://science.sciencemag.org/content/369/6502/354

Deutlich macht die Grafik aber auch, dass es nicht unter einer Temperaturerhöhung um 2,6 Grad gehen wird. Das 1,5 Grad-Ziel scheint also ein Wunschdenken zu sein.

Im Grunde werden nur noch “dramatische Maßnahmen der Länder der Welt”, so ein Klimaforscher, helfen, diesen Anstieg zu stoppen. „Dramatische Maßnahmen“, dieser Begriff wäre in Vor-Corona-Zeiten eher auf Unverständnis gestoßen. Aber die notwendige aggressivere Klimapolitik wird wohl ohne sie nicht auskommen: Zum einen werden uns die direkten Folgen wie z. B. die Hitze oder die Zerstörung unserer Küsten zu schaffen machen. Zum Andern werden uns die Einschränkungen, die nicht ausbleiben werden, mindestens so wenig gefallen wie die aktuellen wegen der Pandemie.

Franz Zang
Author

Der Autor Franz Zang war 40 Jahre Lehrer für Mathematik, Sport und Ethik an einem Gymnasium. Er ist seit vielen Jahren im Naturschutz engagiert und seit 2012 Vorsitzender des BUND Naturschutz der Kreisgruppe Bad Kissingen im Biosphärenreservat Rhön. Er ist Beirat des BUND Naturschutz in Bayern e. V. und Bundesdelegierter.